Stalingrad - Bilder einer erbitterten Schlacht

Stalingrad - Bilder einer erbitterten Schlacht

Der Kampf um Stalingrad in einer Dokumentation von Bildern, Fotos, Karten, Filmen, Plänen, Berichten und Beschreibungen.

 

 

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Kriegsgefangenschaft

 
 

Sie erklang aus den Lautsprechern der Sieger: "Swjatschenaja Woina" - die russische Siegeshymne über die faschistische deutsche Armee. (mp3)

 

Voller Zuversicht als siegverwöhnte Armee in Stalingrad eingefallen, vegetiert nun ihr klägliche Rest in den Ruinen der Stadt und wird von den Kommandos der Roten Armee der russischen Kriegsgefangenschaft zugeführt. Die meisten Gefangen werden dieses Martyrium nicht überleben. Ein erheblicher Teil krepiert schon auf den wochenlangen Gefangenenmärschen in der Landenge zwischen Don und Wolga.

 

Die Russische Skizze der ersten Auffang- und Kriegsgefangenenlager, der Lazarette, Hospitäler und medizinischen Sammelpunkte für Kriegsgefangene in und um Stalingrad zum Ende der Kämpfe 1943.

 

Die wichtigsten Sammellager in und um Stalingrad zum Ende der Kämpfe 1943 aus einer Dokumentation des Deutschen Roten Kreuzes von 1954, nach den Angaben von Kriegsheimkehrern.

 

Mit allem, was den abgekämpften Männern zum Schutz vor der klirrenden Kälte und den immerwährende Eiswinden aus Osten zur Verfügung stand, versuchten sie sich der Unwirklichkeit zu stellen. Eine Winterausrüstung in Form von wattegefütterten Uniformen, Handschuhen, Filsstiefeln und Fellmützen kannten die wenigsten.

 

Nach einer ersten Durchsuchung werden riesige Marschkolonnen gebildet, die auf unterschiedliche Sammelplätze geführt werden.

 

An den immer wieder heiß umkämpften Getreidesilos werden deutsche Kriegsgefangene nach Süden getrieben.

 

Ziellos schleppt sich die Kolonne durch die Eiswüste. Wer hier nicht mehr kann wird durch den Genickschuss eines russischen Posten erlöst.

 

Aus dem Stadtzentrum werden diese Männer in die offene Steppe getrieben.

 

Eine Ruhmestat der Sowjets gegen diese zerlumpten, abgekämpften, ausgehungerten, wehrlosen Gestalten eine Schlacht zu gewinnen?

 

Verletzte und völlig erschöpfte Kameraden werden in die Mitte genommen und von den stärkeren mitgeschleift, damit sie dem Tode durch Kopfschuss oder Gewehrkolbenhieb der russischen Posten entkommen.

 

Ein gefangen genommener General mit seinem Adjutanten in exzellenter Winterausrüstung, die den Männern der kämpfenden Truppe verwehrt blieben.

 

Einige Generalstabsoffiziere des AOK, ebenfalls in wärmenden Winteruniformenteilen.

 

Am Mittwoch des 3. Februar 1943 versammelt sich die gefangen genommene Armee-Führungsriege in Beketowka.

 

Keiner der hier versammelten hohen Militärs ahnt vermutlich, dass viele Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft auf sie zukommen, die sie ihr Lebtag nicht mehr vergessen sollten. Offiziere und Mannschaften werden in der Kriegsgefangenschaft getrennt. Die Sterberate in den Offizierslagern ist weitaus geringer als bei den gefangenen Soldaten und Unteroffizieren.

 

Für die Generäle und Offiziere beginnen wochenlange Verhöre.

 

Militärische Geflogenheiten wie Ehrenbezeigung und Meldung werden beibehalten. Generalfeldmarschall Paulus nimmt eine Meldung eines seiner Generäle entgegen.

 

Generalleutnant Werner Otto Sanne, Kommandeur der 100. leichten Infanterie-Division. Sanne verstarb am 26. Februar 1952 in russischer Kriegsgefangenschaft.

 

Generalleutnant Werner Otto Sanne.

 

Generalstabsarzt Prof. Dr. Otto Karl Renoldi wird nach seiner Gefangennahme vorgeführt. Renoldi kehrte erst am 9. Oktober 1955 aus russischer Kriegsgefangenschaft wieder heim.

 

Den Weg in die Gefangenschaft treten von links nach rechts an: Generalmajor Dimitriu, 20. Rumänische ID, Generalleutnant von Daniels, 376. ID, Generalleutnant Schlömer, XIV. Panzerkorps, Generalmajor von Drebber, 297. ID, Generalleutnant Dr. Renoldi, Generalstabsarzt der 6. Armee auf dem Weg in die Gefangenschaft.

 

Soldaten der 8. Italienischen Armee auf dem Weg in die Kriegsgefangenschaft. Die, die hier jubeln, werden in wenigen Stunden verstummen.

 

Führende Offiziere nach ihrer Gefangennahme im Hauptquartier der 62. Armee in Beketowka. Von links nach rechts: Generalmajor Dr. Korfes, Kommandeur der 295. ID, Oberst i. G. Dissel, IA der 295. ID, General d. Artillerie, Kommandierender General IV d. Armeekommandos, General der Artillerie von Seydlitz, Kommandierender LI des AK, Oberst i.G. Crome, Chef des IV. AK, Hauptmann Humbert, O1 IV des AK

 

Aus Kellern, Unterschlüpfen und Katakomben der Stadt treiben die Sieger die Überlebenden zusammen. Die Verwundeten und Schwerverletzten dort unten werden erschlagen, erschossen oder man überlässt sie ihrem Schicksal, bis sie verbluten, verhungern, erfrieren.

 

Deutsche Gefangene werden vom mongolischen Mob der Roten Armee nach Uhren, Schmuck und anderen brauchbaren Dingen durchsucht. Jeder deutsche Soldat, der in russische Kriegsgefangenschaft gelangte, kannte den Ausdruck "Urr, Urr". Es war die Aufforderung zur Abgabe der Uhr und anderer Schmucksachen wie Eheringe. Wer sich weigerte, dem wurden oft genug gleich einmal mit dem Gewehrkolben die Wangenknochen zertrümmert oder eine Kugel streckte ihn nieder.

 

Für diesen Rotarmisten scheint das verwundete deutsche Bündel, vermutlich noch nicht einmal 20 Jahre alt, äußerst gefährlich zu sein. Hier vermutlich eine Aufnahme für die sowjetische Kriegspropaganda.

 

Erste Vernehmungen durch Dolmetscher nach der Gefangennahme.

 

Verstreute Einheiten werden vom Russen aufgespürt und aus den Ruinen gejagt.

 

Mit der Kriegsgefangenschaft ist zwar das Kämpfen für jeden einzelnen zu Ende, der wahre Überlebenskampf jedoch sollte erst jetzt beginnen.

 

Überlebenszeit in russischer Kriegsgefangenschaft für verwundete Soldaten? Im Schnitt keine 5 Tage.

 

Kochgeschirr, Besteck, Decken, Bücher, persönliche Fotos und Aufzeichnungen -  praktische alles, was als Kleidung unmittelbar am Körper getragen wurde, wurde bei den mehrfachen Filzungen den Gefangenen abgenommen. Der Russe hatte mit den Angreifern kein Mitleid und so behandelte er sie auch.

 

Weit nördlich Stalingrads werden die Kriegsgefangenen in Eisenbahnwaggons verladen, um sie dann teils viele Wochen durch die Sowjetunion in Arbeits- und Kriegsgefangenenlager zu transportieren. Auf diesen Transporten starben Massen von Menschen. Ein für 30 Personen ausgelegter Wagon wurde mit über 90 belegt. Von den 90 Gefangenen beim Eintreffen am Bestimmungsort konnten oft nur nicht mehr als 6 Leute den Wagen lebend verlassen. "Skolko kapuuut?" (wie viele tot), war die Frage der Natschalniks (russischer Vorgesetzter, Führer), die bei jedem Halt die Wagontüren aufrissen. So liegen noch heute entlang der Bahnschienen in der Wildnis des Riesenreiches, über Tausende Kilometer verstreut, die Gebeine von Soldaten der 6. Armee, welche einst aus Deutschland gen Osten marschierte.

 

Wenn auch keiner kapituliert hat, so haben sie gekämpft bis zur letzten Patrone. Einen Dank für ihr Soldatentum, für ihre Opferbereitschaft, für ihre Entbehrungen werden die Überlebenden auch später in der Heimat nicht erhalten. Im Gegenteil...

 

Rumänische und deutsche Soldaten versammeln sich zum Todesmarsch durch die winterliche Steppe.

 

Halbe Kinder hat Hitler hierher geschickt, um Stalin seine Stadt zu nehmen und bezahlen sie für ihn.

 

Ein gut ausgerüsteter Offizier tritt den Weg in die Gefangenschaft an. Auch er wird bald nichts mehr haben. Vereinzelt fallen den Russen in der Stadt sogenannte schwarzen Reserven (Konserven, Zigaretten, Alkohol, Pflegemittel, Ausrüstungsgegenstände etc.) in die Hände, die sich gewissenlose Zahlmeister heimlich angelegt hatten. Nur Meter davon entfernt verhungerten die Kameraden.

 

Vielleicht noch nicht einmal 20 Jahre alt. Die ganz jungen waren die ersten, die in den russischen Lagern starben.

 

Was würde er bis auf sein nacktes Leben alles geben, um hier fort zu sein. Wer sich in russischer Kriegsgefangenschaft aufgab, der gab sein Leben auf.

 

Riesige Marschkolonnen deutscher und verbündeter Kriegsgefangener werden aufgestellt, um den Weg in die weite Steppe anzutreten.

 

Ausgemergelt durch wochenlange Mangelernährung ist ihm anzusehen, dass er in der Steppe bleiben wird. Viele Soldaten kämpften mit Durchfall, Kräfteschwund, Fieber, Durst, unversorgte Verletzungen und der bitteren Kälte. Sie alle hatten den Strapazen der kommenden Tage nichts mehr hinzuzusetzen.

 

Solche zusammengewürfelten Haufen kämpften am Ende mehr um ihr eigenes Überleben. Den übermächtigen Russen erfolgreich abzuwehren, dazu fehlte ihnen die Munition, die Ausrüstung, die Verpflegung.

 

Soldaten der Rumänischen Armee warten auf den Abmarsch.

 

Viele, viele von ihnen werden in den nächsten Tagen und Wochen erfrieren oder an Hunger und Krankheit verenden.

 

Verwundete Kriegsgefangene sind die ersten Todeskandidaten, die in der Steppe um Stalingrad ihre Erlösung finden. Eine medizinische Versorgung gab es nicht. Die Männer verfaulten am lebendigen Leib, starben an Blutvergiftung und anderen Infektionen.

 

Gestalten im Angesicht des Todes. Nein, gegen diese Männer einen Kampf gewonnen zu haben ist keine Ruhmestat.

 

In Deutschland triumphiert man indes den heldenhaften Kampf dieser verheizten Gestalten. Zwar hat man die Armeen mit Mann und Maus verloren, aber Stalingrad soll noch nicht abgeschrieben sein.

 

Was geht in ihm vor? Welche Zukunft in Frieden daheim in Deutschland hätte er gehabt? Bitterkeit und Hoffnungslosigkeit waren die Begleiter eines jeden einzelnen hier.

 

Der graue Menschenwurm windet sich kilometerlang in der Landenge zwischen Don und Wolga, über Anhöhen und die Tiefen der Balkas.

 

In der Stadt selbst werden die ersten Kriegsgefangenen zu Aufräumungsarbeiten herangezogen. In Anbetracht des desolaten körperlichen und gesundheitlichen Zustands der Männer, war selbst das Steine aufheben Schwerstarbeit.

 

Eine Gruppe junger Kriegsgefangener in Sommermäntel gehüllt, wartet auf den Abmarsch zur Sammelstelle.

 

Überschuhe aus geflochtenem Stroh schützen die Füße vor Erfrierung. Diese Schuhe haben sich die Soldaten meist im Warentausch von russischen Einheimischen anfertigen lassen. Mit der Gefangennahme wurden sie ihnen abgenommen und den Pferden verfüttert. Für den Betroffenen gab es keine Überlebenschance.

 

Die lebensnotwendigen Strohschuhe als Pferdefutter.

 

Ein Angehöriger der Rumänischen Armee vermummt sich in ein Stück Zeltplane, um den klirrenden Frost zu mildern.

 

Apathisch nehmen viele, wie auch er, keine Notiz mehr vom Elend des anderen und oft genug ist auch das eigene Schicksal gleich.

 

Die Rote Armee ist mit der Vielzahl an Kriegsgefangenen völlig überfordert. Die Zeit aber regelt das Problem von allein. Bei den folgenden, tagelangen Märschen werden viele an Hunger und Entkräftung sterben. Die russischen Posten beenden das Leben der liegen gebliebenen Seelen mit einem Kopfschuss oder einem Kolbenhieb.

 

Statistisch kehrt nur jeder Vierzigste seelisch gebrochen nach vielen Jahren wieder nach Hause zurück. Ein Zuhause in ein unbekanntes, neues Deutschland, das nichts mehr für die Männer übrig hat, die einst auf Befehl ihre Haut zu Markte tragen mussten.

 

Junge Männer um die Zwanzig scheinen um Jahre gealtert und erwarten ihre grausige Zukunft. Wie sehr sollten sie recht behalten.

 

Der Schwache wird vom Stärkeren unterstützt, bis auch der nicht mehr kann und ein russischer Posten abdrücken wird.

 

Ausgehungert, erschöpft, von Ungeziefer und Krankheiten geplagt, das ist das Bild in diesen furchtbaren Tagen.

 

Kraft- und willenlos lässt man mit sich geschehen, was geschehen wird. Der Tod ist hier für jeden nur eine Erlösung geworden.

 

Junge Männer, von der Schulbank an die Front, von der Front in den Tod. Die Rechnung eines Wahnsinnigen werden sie nun zahlen. Noch eint das gemeinsam Erlebte. Kurz darauf wird es beim Russen ums nackte Überleben gehen.

 

Decken und Lumpen sind das wichtigste Gut eines jeden hier.

 

Alle mitgeführten Ausrüstungsgegenstände und Wertsachen werden bei den Hauptfilzungen dem Gefangenen abgenommen. Selbst Fotos der Lieben daheim und deren Briefe nimmt der Wind mit hinaus in die menschenunwirkliche Steppe. Damit ist die letzte Verbindung zur Heimat getrennt. Für viele ist das obendrein eine kaum zu ertragene psychische Belastung.

 

Russische Kriegsgefangenschaft bedeutete hier für den Großteil der Soldaten den Verlust der Menschenwürde und ein Dahinsiechen bis zum erlösenden Tod.

 

Kriegsgefangene ziehen durch die Innenstadt, entlang an den Orten, wo man vor Stunden, Tagen und Wochen noch mit seinen Kameraden gekämpft hat.

 

Vorbei an ehemaligen Stellungen, Kampfplätzen und Orten, wo es jedem noch etwas besser ging, wo er wenigstens noch zu Essen hatte und nicht fror.

 

Mit letzten Kräften taumeln die Schwächsten in den Kolonnen bis auch sie die Erlösung ereilt. Stalingrad ist der lebendige Beweis dafür, wozu der Mensch in der Lage ist und was er auszuhalten vermag.

 

Der gezeichnete, damals 22jährige Gefreite Otto Walla (7.7.1920). Soldat der 44. Infanterie-Division, Panzerabwehrabteilung Sturmartillerie Nr. 177. Er geriet am 31. Januar in russische Kriegsgefangenschaft. Hier kurz nach seiner Gefangennahme. Otto Waller wurde bis zum 4. April 1943 in das Todeslager Beketowka 108/14 verbracht und danach in das Lazarett Nr. 4939 verlegt. Am 26. Oktober 1943 lieferte man den an Entkräftung und schwerer Krankheit leidenden Otto Walla in das Sonderlazarett Nr. 1691 nach Wolsk ein, wo er bis zum 11. Juli 1944 verblieb. Im Wolsker Lager Nr. 137 fristete er seine Kriegsgefangenschaft bis zum 26. September 1947, als er mit dem 7. Heimkehrertransport in seine Heimatstadt Wien nach Hause zurückkehren durfte. Otto Waller verstarb am 27.2.1977 in Wien.

 

In und um Stalingrad nichts besonderes. Bis auf einen kurzen Blick stört sich keiner an den Toten.

 

Diese Gefangenen besitzen Filzstiefel und sind aller Wahrscheinlichkeit nach einem Stab zuzuordnen. Sie wirken im Gegensatz zu den meisten Gefangenen recht vital und ausgeruht.

 

Kriegsgefangene am Rande des Roten Platzes. Im Blickfeld das Zentralnoje Magasin in dem Generalfeldmarschall Paulus seinen letzten Befehlsstand hatte

 

Beschwerlich und nur langsam bahnt sich diese Menschenschlange den Weg über die Anhöhen südlich Stalingrads.

 

Bis zum Horizont reichen die endlosen Kolonnen von Kriegsgefangenen.

 

Wer diese Strapazen überlebt hat, für den beginnt ein zweiter Kampf in den Kriegsgefangenenlager, nämlich der Kampf ums tägliche Dasein.

 

Ein Teil der Gefangenen ist nicht gehfähig und wird erschossen.

 

Entlang an ehemaligen Stellungen und Fahrzeugen stolpert die geschlagene Menge durstend, frierend und hungernd durch die Wolga-Don Landenge.

 

Eine deutsche Generalität in dieser hohen Anzahl gefangen zu bekommen ist für die Sowjets unbegreiflich. Was hat sich die deutsche Armeeführung dabei gedacht.

 

Die Sieger treiben die Besiegten aus der Stadt in die Steppe. Oft gilt der letzte Blick ehemaligen Unterkünften und Stellungen. Der Realität vor der berüchtigten, grausamen russischen Kriegsgefangenschaft ist nicht mehr zu entrinnen.

 

Marsch zum Arbeitseinsatz halbverhungerter Kriegsgefangener im Stadtzentrum. Eigentlich gleich unmittelbar nach Beendigung des Krieges hier hat man die Kriegsgefangenen entgegen der Genfer Konvention zu Aufräumungsarbeiten herangezogen.

 

Seit Tagen haben die meisten nichts mehr zu Essen bekommen und es sollte auch noch eine ganze Weile so bleiben.

 

Den lieben Kameraden auf einem selbstgebauten Schlitten hinterher geschleift. Aber vielleicht ist es sogar der Vater, den der Sohn nicht im Stich lassen will. Auch in Stalingrad starben Vater und Sohn, die manchmal sogar in den gleichen Einheiten dienten.

 

Streng bewacht geht es willenlos immer dem Vordermann hinterher. Immer wieder sind die dumpfen Knalle der Schüsse russischer Posten zu vernehmen, der irgendwo in den Kolonnen wieder ein Leben beendet hat.

 

Mit russischer Kriegsgefangenschaft verbindet der deutsche Soldat Leid und Tod. Und wie sehr sollte er recht behalten.

 

Die Anhöhen südlich Stalingrads müssen erklommen werden.

 

Wer in den Kolonnen unbeobachtet liegen bleibt, erfriert kurze Zeit darauf. Der Erfrierungstod geht schleichend einher. Die Körpertemperatur singt allmählich ab, der Stoffwechsel verlangsamt sich, das Bewusstsein trübt sich und schmerzlos tritt der Tod ein.

 

Rumänen und Italiener als verbündete der Wehrmacht, teilen das Schicksal ihrer deutschen Leidgenossen. Immer grausamer wird der quälende Durst. Der von Pulverschmauch belegte, mit Exkrementen verschmutzte und blutgetränkte Schnee ist ungenießbar.

 

"Der Todesmarsch nach Dubowka" Die Fragmente der Publikation eines unbekannten deutschen Offiziers der in Stalingrad in Gefangenschaft geriet. (unkorrigierte originale Wiedergabe)

 

Eine seltene Aufnahme vom Februar 1943 aus dem noch nicht hergerichteten Kriegsgefangenenlager in Beketowka, südlich Stalingrads. Aus einer ehemaligen kleinen Schule hat man hier auf die Schnelle ein Lager für zig Tausende Kriegsgefangene geschaffen.

 

Generalfeldmarschall Friedrich Paulus mit Vernehmungsoffizieren der Roten Armee im Haus des Stabes der 64. Amee General Schumilows in der Krasnoufimskaja Uliza im Süden Stalingrads.

 

Die durch einen Kriegsgefangenen erstellte Skizze des Lagers Beketowka 108/2 von 1943. Das Original befindet sich heute im Besitz des Panorama-Museums in Wolgograd. Hier starben von Dezember 1942 bis August 1943 in den Lagerkomplexen, nach realistischen Schätzungen, etwa 60.000 bis 70.000 Gefangene. Eine Vernichtungsrate, die in der Welt bis heute ihres gleichen sucht. Die nach russischen Angaben letztgenannte, aus vielerlei Gründen weit nach unten korrigierte Zahl der registrierten toten und bestatteten Kriegsgefangenen in diesem Zeitraum, lautet 54.354. Bis zur Auflösung der Lager im Jahre 1956, sollten weitere zig Tausende Menschen dort ihr Leben verlieren. Dieser Ort des Sterbens gab dem Lager 108, welches sich ab 1944 aus vier Einzellagern mit mehreren Abteilungen zusammensetzte, den Namen „Todeslager Beketowka“.

 

Die Skizze des Stalingrader Hauptlagers 362/1 (nach russischen Unterlagen 362/3).

 

Kriegsgefangene heben im Frühjahr 1943 die Gruben für die Massengräber in Beketowka aus. Heute ist ein Großteil dieser Gräber überbaut. Einen anderen Teil des ehemaligen Gefangenenfriedhofs überdeckt eine viele Meter hohe Mülldeponie.

 

Am Kaufhaus werden Kriegsgefangene zur Trümmerbeseitigung eingeteilt.

 

Eine Arbeitsbrigade von Kriegsgefangenen im Sommer 1943 auf dem Weg zu ihren Arbeitsstätten. Nur wer die Norm von 100 Prozent schaffte, erhielt die volle Ration Kascha (eine Art Grützbrei) und Brot. Der gesundheitliche Zustand der Gefangenen war fürchterlich. Skorbut, Ruhr, Typhus, Dystrophie waren einige der massenhaften Todesursachen.

 

Der in sowjetischem Gewahrsam gesundheitlich sichtlich angegriffene Generalfeldmarschall Friedrich Paulus im Sommer 1943.

 

Deutsche und russische Gefangene bei der Arbeit in den Trümmern der Geschützfabrik "Rote Barrikade" 1946. Einige Männer arbeiten ohne Schuhe, nur mit Fußlappen bekleidet.

 

Kriegsgefangene bei der Erstellung des Kanalbettes für den zukünftigen Wolga-Don-Kanal.

 

Russische und deutsche Gefangene beim Bau der Fundamente für die Schleuse I. des Wolga-Don-Kanals. Die Kriegsgefangenen im sowjetischen Gewahrsam wurden alle zu Zwangsarbeiten herangezogen. Ungezählte Menschen ließen bei den menschenunwürdigen Bedingungen in den Kriegs-, Arbeits- und Strafgefangenenlagern ihr Leben.

 

Deutsche und russische Gefangene beim Fundamentbau für die Schleuse I. Stalingrad wird von 1943 bis 1956 fast ausnahmslos von Kriegsgefangenen wieder aufgebaut.

 

Die fertig gestellte Schleuse I. des Wolga-Don-Kanals. Fast alle Beton-, Maurer- und Ornamentarbeiten wurden von deutschen Kriegsgefangenen erstellt. Deren fachliche Ausbildung war durch nichts zu ersetzen.

 

Von deutschen Kriegsgefangenen errichtete Wohnhäuser in Stalingrad-Mitte im Jahre 1949.

 

Die Baustellen der Kriegsgefangenen beim Wohnungsbau in der Stadt. Im Bildhintergrund der alte Feuerwachturm.

 

Deutsche Kriegsgefangene beim Verlegen von Fußböden im neu errichteten Verwaltungsgebäude der Geschützfabrik.

 

Die Baustellen der deutschen Kriegsgefangenen an der Uliza Mira (Straße des Friedens) mit Blick auf das wieder aufgebaute Kaufhaus und den Platz der gefallenen Helden.

 

Kriegsgefangene bei Schweißarbeiten im Traktorenwerk. Schon ab 1943 wurden die Kriegsgefangenen hier zum Bau des Panzers T 34 herangezogen. Aber auch anderorts bediente man sich Zwangsarbeitern und Kriegsgefangener zur Rüstungsproduktion.

 

Die Gruppe der Untersuchungsrichter und Dolmetscher vom Sonder-Regimelager 108/1 in Stalingrad Beketowka vor Beginn der Massenprozesse 1949/50. Sie entschieden in aller Regel über die Heimkehr eines Kriegsgefangenen.

 

Ein kleiner Teil des ehemaligen Kriegsgefangenengfriedhofs des Lagers 362 in Stalingrad, nachdem er 1962 wieder hergerichtet und mit einem Eisenzaun umgeben wurde. Das dazugehörige Lager wurde 1942/43 für die Gefangenen der Schlacht eingerichtet und befand sich in der Nähe des metallurgischen Werkes "Roter Oktober". Üblicherweise sind die Massen an Toten in riesige Gruben geworfen worden, welche die Gefangen vorher selbst ausgehoben hatten.

 

Zig Tausende Seelen fanden hier ihre Erlösung der von Hunger, Krankheit und Willkür geprägten Lageralltage. Blick auf den Ort des ehemaligen Kriegsgefangenenfriedhof des Zentralhospitals 5711 und den Toten der Lager 362/1 -2 -3 -6 -9 und 11 von 1945 bis 1950. Dieser Friedhof ist heute, wie fast alle, von Schrebergärten oder Häusern überbaut, in denen sich immer wieder menschliche Gebeine finden.

 

Paulus und andere ehemalige hohe Offiziere 1944 in russischer Kriegsgefangenschaft.

 

"Es steht ein Soldat am Wolgastrand" (mp3)

 

 

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