Seligenfeld in Preußen

Seligenfeld i. Pr.

Seligenfeld, Königsberg, Ostpreußen

Geraubtes Land - für immer unvergessen! Niemals Verzicht auf den deutschen Osten!

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Geschichte

Der Ort Seligenfeld wurde um das Jahr 1395 gegründet. Im Jahr 1445 sandte der Pfleger von Rastenburg einem Hans Bochßen die Handfeste über das ihm verschriebene Kirchendorf. Am 30. April 1874 wurde der Ort Verwaltungssitz und namensgebender Ort für den neu errichteten Amtsbezirk Seligenfeld. Er gehörte zum Landkreis Königsberg (von 1939 bis 1945 Landkreis Samland) im Regierungsbezirk Königsberg, der preußischen Provinz Ostpreußen.

Nach jüngster Volkszählung lebten in Seligenfeld im Jahr 1910 474 Menschen. Zum neu gebildeten Amtsbezirk Adlig-Neuendorf kam Seligenfeld am 14. Mai 1930. Eine neuerliche Volkszählung ergab im Jahr 1933 nunmehr 741 Einwohner. Seligenfeld liegt gut 5 Kilometer leicht südöstlich vom Königsberger Stadtzentrum entfernt und grenzte an der Landgemeinde Gutenfeld. Durch Seligenfeld führte die Reichsstraße 128 nach Adlig Neuendorf. Seligenfeld besaß eine Bahnstation (Königsberg-Gumbinnen) mit Haltepunkt. Bis Anfang 1939 gehörte das Dorf zum Landkreis Königsberg. Am 1. April desselben Jahres wurde es direkt der Stadt Königsberg zugeordnet. Seligenfeld bestand aus Bauernhöfen unterschiedlicher Größe in denen die Bewohner Land- und Viehwirtschaft, hauptsächlich zur Selbstversorgung betrieben.

1945 wurde der östliche Teil Ostpreußens durch die Sowjetunion annektiert. Der Name des Ortes Seligenfeld bestand bis 1946. Alsdann wurde er in "Dalneje" umbenannt und gehört seit 1947 zum Moskauer Rajon innerhalb des Stadtkreises Kaliningrad der Oblast Kaliningrad.

 

Aus "Neue Preußische Provinzialblätter" - Im Namen der Altertums-Gesellschaft Prussia
Herausgegeben von Dr. A. Hagen (Professor), Band VI., Jahrgang 1848 Juli-Dezember, Königsberg 1848 (ins Hochdeutsche übersetzt)

 

Über die abgebrannte Kirche in Seligenfeld

 

Pfarrer Sommer schrieb, wie man in der Vorrede des Zornspiegels liest: Synopsis historica lamentabilis excidii Hierosolymitani.

"Die schöne Aussicht vom Friedländer Tor herauf das Pregeltal nach dem Gut Jerusalem hin gewann einen besonderen Reiz durch zwei nebeneinander stehende Kirchen, die von Neuendorf und von Seligenfeld."

 

Die Kirche war ein ursprünglich schmales Gebäude mit überaus hohem Dach, an dem man in gleicher Breite den Kirchenturm angebaut hatte. Das älteste bekannte Taufregister zeigt die Anlegung vom 16. Oktober 1620. Die Seligenfelder Kirche wurde durch einen Blitzstrahl am 1. Oktober 1845 bis auf den festeren, viereckigen Kirchenturm, der das Gewitter überdauerte, zerstört. An der östlichen Seite des Turmes zeigten sich deutliche Umrisslinien der nach und nach vollzogenen, baulichen Umgestaltungen. Bei einem durchgreifenden Umbau hatte man ein breites Kirchengebäude mit vielen breiten Fenstern angefügt, dessen innerer Raum merklich beschränkt war, indem an der nördlichen Seite die Sakristei und ein Erbbegräbnis, die keine besonderen Vorbaue bildeten der ganzen Länge nach einen Teil unten abgeschnitten. Innerhalb der schwarz berauchten Mauern der Ruine war nur noch die Stelle des Altars zu erkennen, die durch eine Erhöhung und durch Eisenstangen, die einst die gemalte und geschnitzte Zierde desselben gestützt hatten. Der blaue Himmel, der in die Ruine blickte, die Herbstlandschaft umher, gewährten ein malerische Bild.
In dem gefälligen Schreiben des Herrn Pfarrer Bandisch ist über den Altar folgendes enthalten: Nach Arnolds Presbyterologie hat die Kirche schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts bestanden. Darauf weist auch die in den Kirchenakten abschriftlich vorhandene Beschreibung des Dorfes Seligenfeld und das Jungfrauenkloster in Löbenicht. Königsberg im Jahr 1465, ausgestellt von dem Hochmeister
Ludwig von Erlichshausen.
Die Gestalt, die die Kirche vor dem Brand zeigte, wird sie im Jahr 1693 durch die Geheimrat Friedrich Kupnersche Familie gewonnen haben. Sie legte sich hier das Grabgewölbe an, das mitsamt den Särgen wohl erhalten lieb.
Der Oktober 1845 begann mit Naturerscheinungen, die sonst dieser Jahreszeit fremd sind. In der Nacht vor dem Ersten des Monats fror es leicht, worauf am Tag Hagel und Regenschauer mit seltenen Sonnenblicken abwechselten. Sobald die Dämmerung eintrat, zeigte sich fernes Wetterleuchten, welches um 7 Uhr als Gewitter in furchtbaren Schlägen über Königsberg und deren Umgegend unter dem Rasseln der Schlossen und dem Rauschen des Regens sich entlud. Es stürmte dabei aus Westen und Südwesten. In der Gegend von Rudau wütete ein furchtbarer, aus der See herüberziehender Sturm schon bereits um 6 Uhr abends.
Bald sah man am östlichen und südöstlichen Himmel Feuer aufflammen. Neben der Kirche in Seligenfeld wurden eine Mühle zu Kreuzburg, einige Gebäude in Taplaken und zu Tharau vernichtet. Das Gewitter, das bis früh 4 Uhr anhielt verschwand wieder in Wetterleuchten.
Was das Feuer in Seligenfeld insbesondere anbelangt, so schlug bei dem Gewitter abends ein Blitzstrahl in die Turmspitze. Niemand hatte es bemerkt. Der Himmel war wieder vollkommen klar, als der Vater des Krugbesitzers Kunz einen glänzenden Stern an der Kirche wahrnahm. Er rief den Sohn und die Kruggäste, die bald mit Schrecken in dem vermeintlichen Stern eine Flamme erkannten, am oberen Gesims des mit Delschindeln gedeckten Turmes. Fast zugleich machte der 63jährige Stellmacher Gesar, der bald alle seine Habe ein Raub des ums ich greifenden Feuers werden sah dieselbe Entdeckung. Der Geistliche war leider mit seiner Familie abwesend. Es war ungefähr neun Uhr, als der Glöckner die im Pfarrhaus befindlichen Kirchenschlüssel holte, den Haupteingang aufschloß und dann die Spritze herbeirief. Diese kam zugleich, aber der Wasserstrahl reichte nicht bis zur Flamme heran, die der starke Westwind über das Schiff der Kirche verbreitete. Die Hallen zu beiden Seiten der Kirche, die nur von innen aufzuschließen waren, blieben ungeöffnet, da sich bei dem krachenden Gebälk niemand in das Innere wagte. Die Spritzen aus Schönfließ und Friedrichshoff wandten, weil die Kirche nicht zu retten war, ihre Kraft an, die Wohnungen zu schützen und, da mittlerweile aus der ganzen Umgegend und aus Königsberg Spritzen herbei kamen, so gelang dies bis auf ein Haus.
Als der Geistliche erschien, stieg derselbe durch das Kupnersche Grabgewölbe in die noch flammende Kirche und fand die Tür der Dreßkammer verzerrt bis auf das Eisenblech, mit der sie innen bekleidet war, in der Dreßkammer selbst aber alles unverletzt, die Silbergeräte, den Geldkasten und den Schrank mit den Altarbekleidungen.
In der Kirche sind nicht allein die kunstvollen, vergoldeten Schnitzwerke verschwunden, sondern auch die an den Wänden angebrachten Leichendenkmäler der Kupnerschen Familie, welche das Gotteshaus einst erbaut und mit Hilfe der Gemeinde und des Patrons geschmückt hatten. Wertvolle Gemälde waren nicht vorhanden. Die gemalte Bretterdecke und die Orgel, am Turm stehend, waren nicht zu retten möglich.

          Die Pfarrer der damaligen Kirchengemeinde nach der Reformation:

  • Caspar Kurau bis 1545 (Evangelische Erstbesetzung)

  • Johann Schwartz 1545–1546

  • Georg Schönwald 1557-1579

  • Tobias Scolius 1593-1594

  • Friedrich Sommer, 1594–1620

  • Petrus Chrus ab 1621

  • Erich Paisen 1640–1655

  • Johann Renn, um 1650

  • Johann Trost 1656–1671

  • Johann Owerbeck ab 1671

  • Reinhold Hafner ab 1680

  • Heinrich Saft 1685–1701

  • Georgius That ab 1701

  • Johann Heinrich Saft 1714

  • Johann Heinrich Arendts, 1716–1753

  • Michael Ernst Rundt 1753–1794

  • Johann Friedrich Frohlandt 1795–1810

  • Friedrich Wilhelm Masuhr ab 1811

  • Carl Ludwig Bandisch bis 1854

  • Carl Friedrich Ägidius Zimmermann 1854–1867

  • Carl Friedrich Franz Lautsch 1867–1897

  • August Adolf G. Hundsdörfer 1897–1906

  • Friedrich Lautsch 1906–1945 (in Ostpreußen verstorben)

 

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