Helfta, wie es früher einmal war

Helfta, wie es früher einmal war

Helfta in alten Bildern, Fotos, Ansichten, Postkarten und Beschreibungen.

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Geschichte

Ursprung und Geschichte Helftas:

Helfta kann als Dorado ur- und frühgeschichtlicher Funde angesehen werden. Am Topfsteingrund, 1,1 km südlich von Helfta, wurde auf dem Acker ein 250.000 Jahre alter Faustkeil aus Quarzit aufgelesen, der älteste Fund des Mansfelder Landes (Abb. 35). Der aufgesinterte kalkhaltige Löß weist aus, daß der Faustkeil im Löß gelegen hat. Aus dem. frühen Neolithikum gibt es von der Linienbandkeramik 6 Siedlungsstellen (Topfstein- und Röhrbreite, Elendsberg, Kirschfeld, Frickes Garten), davon eine mit Grab (Langelochsbreite), die meist bis zur Stichbandkeramik weiter bewohnt wurden. Die Rössener Kultur ist mit 4 Siedlungen vertreten (Elendsberg, Langelochsbreite, Röhrbreite, Topf steinbreite), die Gaterslebener Kultur mit einem Einzelfund, die Baalberger Kultur desgleichen, die Kugelamphorenkultur ebenso (Röhrbreite), die Schnurkeramik sogar mit 7 Fundplätzen (Höhe am Blauen Born mit 2 Grabhügeln, Langelochsbreite, Elendsberg, Höhen am Topfsteinbach, Bärlöcher, Güntersberg, Röhrbreite), die Glockenbecherkultur mit Gräbern.

Aus der jüngeren Bronzezeit wurden 3 Siedlungen (westlich am Ort), Kleine Klaus, Klostergelände, und 1 Gräberfeld (500 m nördlich von Helfta) bekannt, aus der frühen Eisenzeit 2 Siedlungen und ebenso viele aus der Latènezeit (Mittelaue, Kloster). Einzelfunde weisen auf einen germanischen Friedhof der spätrömischen Kaiserzeit hin und auf ein Gräberfeld aus der Zeit der thüringischen Könige - um 500 u. Z. Reiche Funde des 9. - 12. Jh. (vergoldete Anhänger, Emailfibel, Kruzifix, Schreibgriffel, Messergriffe, Steilkämme, Scherben) in Frickes Garten am Westrand von Helfta (Abb. 35) lassen dort den kaiserlichen Hof des 10. Jh. vermuten.

 

Der Ortsname Helfta, im Hersfelder Zehntverzeichnis ist von Helpide die Rede (= Ort, der Hilfe und Schutz bietet?), gehört zu den ältesten im Mansfelder Land. Helfta dürfte zu den Eigengütern des altthüringischen Königshauses gehört haben; so kann man das Patrozinium der von Kaiser Otto I. erbauten St.-Radegundis-(später auch St.-Gertrudis-) Kirche erklären. Leider sind im vorigen Jahrhundert die letzten Reste der St.-Radegundis- wie auch der St.-Gumperti-Kirche beseitigt worden. Sie lagen am unteren Hüttengrund, zwischen dem Eisenbahndamm und den ersten Dorfgärten an der Klaus einander gegenüber.

Auf altthüringisches Königsgut läßt sich auch das Reichsgut in Helfta (969 curtis imperialis, 1004 c. regalis, später mit dem Tafelgut Eisleben zu identifizieren) zurückführen. Helfta gehört zu den Orten im Mansfeldischen, die sich wirtschaftlich, verfassungsrechtlich, kirchlich und in ihrer sozialen Struktur auf dem Wege zur Stadtwerdung befanden. Es hat im Mittelalter drei, mit der Klosterkirche St. Marien sogar vier Gotteshäuser besessen, war Erzpriestersitz, hatte ein Rathaus, eine Judengemeinde und zahlreiche patrizisch-ritterliche Geschlechtersitze, die Spangenberg aufzählt.

Aber Helfta ist mit dem Beginn des Kupferschieferbergbaus auf dem „Eisleber Berge" von Eisleben überflügelt worden. Des Ortes Ruhm begann mit dem Ende der Blüte seines Zisterzienserinnenklosters Beate Marie Virginis nach dem Tode (1311) der letzten Mystikerin, der „Großen Gertrud“, zu welken. Denn weitaus die erste Stelle behauptet in der Geschichte der deutschen Mystik des 13. Jh. das Kloster Helfta mit Mechthild von Magdeburg (um 1210 - 1285), Mechthild von Hakeborn (1241 - 1299) und vor allem der Äbtissin Gertrud von Hakeborn (? 1292), der gelehrtesten unter ihren Mitschwestern und Verfasserin des „Gesandten göttlicher Gnaden“. Das Andenken, die Werke und die Visionen dieser Frauen sind bis in unser Jahrhundert nicht verblaßt, zumal in der Insel-Bücherei noch 1918 der Magdeburger Mechthild „Fließendes Licht der Gottheit“ erschien. Es ist das älteste bis jetzt bekannte Werk seiner Gattung in deutscher Sprache und bezeichnet den Höhepunkt deutscher Frauenbildung und religiösen Lebens im Mittelalter. Die auf dem Hausberg, 2 km südwestlich von Helfta im Junkerholz gelegene Helphideburg, 979 Reichsburg Helpethingaburg und 980 Ausstellungsort einer Urkunde Kaiser Ottos II., ist mit der Herrschaft Helfta über die Pfalzgrafen zu Sachsen an die Edelherren v. Wippra, dann an die Edelherren v. Hakeborn gelangt. Von den 7 im Zusammenhang mit der Burg genannten Geschlechtern haben allenfalls einige auf der Burg gehaust, andere hatten ihre Höfe im Ort. Gräflich mansfeldisch wurde das Haus Helfta 1346 und verlor, da nicht Sitz einer Linie, an Bedeutung, ja es verfiel und wurde 1477 als wüst bezeichnet. In der Folgezeit Steinbruch, ist die Burg mit ihren Abschnittsgräben und -wällen vom Wald überwachsen. In den noch sichtbaren Fundamenten eines Rundturmes fanden 1874 Ausgrabungen statt. Das letzte Rittergut des Ortes dient heute dem VEG Hübitz.

Am Bahnhof Helfta lag der Hermannschacht. Es bestanden 2 Schachtröhren: I wurde Ende 1899 angehauen und bis in eine Tiefe von 340 m gebracht, II (Ende 1906) erreichte 396 m. Bereits am 27. Juli 1924 endete hier die Arbeit. Die gewaltige Halde wird seit Ende November 1976 über ein Eisenbahnanschlußgleis abtransportiert, um im Braunkohlentagebau Amsdorf als Schottermaterial zur Baggerunterlage und für den Werkbahnunterbau zu dienen.

Während der Märzkämpfe 1921 war Helfta zeitweilig von den bewaffneten Arbeitern besetzt. Am Generalstreik gegen die Schutzpolizeiprovokation beteiligten sich auch die Arbeiter der Domäne. Am 24. März griffen 5 schwerbewaffnete Polizeihundertschaften Helfta an und besetzten nach harter Gegenwehr der Arbeiter - sechs Arbeiter fielen - den Ort.

Eisleben-Helfta ist auch Sitz eines landwirtschaftlichen Großbetriebes, des VEG Walter Schneider Eisleben, 1976 mit 935 Arbeitern und einer Nutzfläche von 8.452 ha (1978: 8.278 ha). Es kooperiert mit der LPG Karl Marx in Helfta und der LPG 10. Jahrestag der DDR in Röblingen. Aus diesen Bereichen wurden 1976 267 Genossenschaftsbauern eingesetzt. Schwerpunkte sind die Obst- und die Saatgutproduktion. Auf einer Saatgutfläche von 2.507 ha (1978: 2.850 ha) werden vor allem Gemüseerbsen (24% des DDR-Bedarfs), Buschbohnen (17%), Zwiebeln (40%) und Schwarzwurzeln (55%), ferner Tomaten und Radieschen angebaut. Aber auch die übrige Pflanzen- und Tierproduktion zeigt eine beachtliche Leistungshöhe. Der Getreideertrag konnte von 46,5 dt/ha (1971) auf 54,0 dt/ha (1975) gesteigert werden, die Milchleistung der 950 Kühe lag 1975 bei 5.205 kg pro Kuh und Jahr. Im Zuge der weiteren Konzentration und Spezialisierung arbeiten die Brigaden der Rinder- und Schweinehaltung nunmehr mit den entsprechenden Bereichen des VEG Hübitz zusammen. Die Schafherden des Volksgutes umfassen 6.000 Tiere. Außer einer Wohnsiedlung für Obstbauer entstand in Helfta ein Obstkühllager mit einer Kapazität von 32.000 t.

Die Tierproduktion der LPG Karl Marx, die Abteilungen in Bischofrode, Lüttchendorf, Unterrißdorf, Aseleben und Erdeborn unterhält, dient hauptsächlich der Milchlieferung (700 Kühe) und der Abgabe von Schlachtschweinen; außerdem unterhält sie eine Schafherde (1.600 Tiere).

Helfta wird von einer 700 - 800 m breiten Senkungswanne gequert, die im Bereich der Hühnerfarm und des Landwarenhauses zwei Zentren aufweist, die zwischen 1955 und 1966 um 2,65 m absanken. Die Wanne ist Teil der über dem unterirdischen Ausstrich der Kalisalze entwickelten Hauptsenkungszone des Mansfelder Seengebietes. Infolge der Senkungen bildete sich bei der Hühnerfarm ein 2 ha großer See, während andere Teile des Ortes in Grundwassereinfluß gerieten. Zugleich zeigten sich an Gebäuden deutliche, auf Setzungen zurückzuführende Schäden.

In Zusammenarbeit der Bezirksstelle für Geologie Halle mit staatlichen Bauaufsichtsbehörden wurden Maßnahmen ergriffen, um die Bausubstanz zu erhalten. Am geeignetsten erwiesen sich 50 cm breite Gräben um die Fundamente der Gebäude, die mit plastisch reagierendem Material (Torfmull, Ton) ausgefüllt wurden, um den seitlichen Druck abzufangen. Am Rande der Wanne, wo Zerrungen auftraten, wurden Anker in die Gebäude eingezogen und die Fensterstürze durch Träger gesichert. Starke Schäden traten auch bei den Versorgungsleitungen auf. In der Federmarktstraße war 1966 die Gasleitung an 11 Stellen gerissen. In anderen Straßen knickten die Rohrleitungen nach oben aus, und zunehmend führten Brüche der Wasserleitung und der Kanalisation zur vollständigen Zerrüttung der Leitungen des Ent- und Versorgungssystems des Ortsteiles Helfta. Die hohen Kosten für Reparaturen und die sich verschlechternden Wohnbedingungen zwangen dazu, Teile des Ortszentrums in Etappen abzureißen und die Bevölkerung umzusiedeln.

 

Quelle:
Mansfelder Land

Werte unserer Heimat
Erich Neuß und Dietrich Zühlke
Akademie-Verlag Berlin 1982

 

 

 

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